sich ähnlich sein

Was aber traurig ist am Älter werden, ist das: Mein Löffelkind ist mir ziemlich ähnlich. Ich beobachte an ihr Verhaltensweisen, Muster und sogar Körperhaltungen, die ich von mir kenne. Ich hatte schon Zeit mit diesen Dingen zurecht zu kommen, sie noch nicht. Ich werde ihr wohl dabei zusehen müssen, wie sie vieles aus eigener Erfahrung lernt, das ich schon hinter mir habe und ich kann ihr kaum Abkürzungen zeigen, denn das muss sie selber schaffen.

Wie ich das meine? Ok, ein Beispiel: Das verrückte Labyrinth
Ein wunderbares Gesellschaftsspiel, das ich schon als Kind selber gern gespielt hat und das es (ja genau exakt dasselbe!) vom Dachboden meiner Eltern in Österreich bis in die deutsche Großstadt geschafft hat. Ein paar Wochen lang spielte das Löffelkind es am allerliebsten. Jeden Tag. Und ich mit ihr. Aber so einfach und schön das klingt, so einfach ist es aber doch nicht. Denn nachdem ich das Spiel ja nun schon eine Weile spiele, hab ich dafür auch Strategien im Kopf. Und das Löffelkind nicht. Dadurch braucht es vieel länger als notwendig, um zu den richtigen Punkten im Spiel zu kommen (man muss sich da einen Weg durchs Labyrinth bahnen, um Schätze einzusammeln und dafür muss man Kärtchen verschieben, was eine gewisse Übung der Vorstellungskraft braucht). Nach ein paar Tagen merkte ich dann, dass sie oft ganz kompliziert schob, und dadurch viel langsamer war als ich. Sie beschwerte sich auch zunehmend darüber, dass sie nie gewann. Ich beobachtete ihr Spielverhalten und zog meine Schlüsse, ich spielte selber extra kompliziert, um nicht zu einfach zu gewinnen und manchmal zeigte ich ihr sogar meine Strategien.
Aber es sind ja meine Strategien, die sie sich noch nicht erarbeitet hat und daher nicht behalten kann. Um ehrlich zu sein: Das hat mich manchmal ganz schön Geduld gekostet, ihr dabei zuzusehen. Manchmal ist Lernen halt genauso schwer, wie das dabei zu gucken.

Bei Wutausbrüchen ist das ähnlich. Damit hat das Löffelkind auch zu kämpfen. Ziemlich lautstark leider. Ich kann mich an eigene kindliche Wutausbrüche erinnern. Gelegentlich bricht mein Wut-Vulkan immer noch aus, aber seltener (und ich bilde mir ein kontrollierter, haha). Ich kann mit ihr darüber sprechen, aber die Strategien, um mit ihrer Wut zurecht zu kommen, muss sie selbst entwickeln. Und mir bleibt nichts anderes übrig als Auszuhalten, Festzuhalten und sie lernen zu lassen. Und das fällt mir schwer.

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