Ein Hoch auf das Mittelalter!

Ich bin alt, ich werde alt, mann bin ich alt geworden! Juhu!
Nein Quatsch, so alt bin ich noch gar nicht, Anfang Dreißig kann man sagen. Aber schon seit Mitte Zwanzig stelle ich immer wieder fest: älter werden ist bisher nicht schlimm.
„Ja, werd mal richtig alt du junges Gemüse“ denken jetzt die deutlich älteren LeserInnen und recht haben sie.
Mein Punkt ist der: In meiner näheren und ferneren sozialen Umgebung befinden sich viele Menschen um die Mitte Dreißig. Und langsam, manchmal auch schon länger, macht sich das Gefühl breit, alt geworden zu sein. Im Vergleich zumindest. Häufig passiert das an Tagen nach gesteigertem Alkoholkonsum, Umzügen oder Bauaktionen. Wir „Mittelalten“ vertragen weder lange Parties noch ungewohnte körperliche Arbeit und auch krank sein nicht mehr so gut wie vor 10 Jahren. Vor 10 Jahren. Uhh. Das ist das zweite Anzeichen: Mensch, wir kennen uns jetzt schon zehn Jahre! (Trifft bei mir ziemlich viele, weil ich vor ziemlich genau zehn Jahren in diese Stadt kam, meinen Mann kennen lernte etc.) Ich messe Zeit also schon in Jahrzehnten! Dem Löffelkind erkläre ich, warum manches besser kann als sie mit den Worten: „Ich übe das ja auch schon fünfundzwanzig Jahre!“
Oder noch schlimmer: Irgendwo läuft vielleicht eine Folge der Gilmore Girls oder Ähnliches und ich denke: „Oh, ist ja auch schon eine Weile her, wie lange eigentlich?“ Nachgeguckt: 2000 bis 2007, die LETZTE Folge ist also schon fast 10 Jahre alt! Back to the Future Day war mittlerweile auch schon und das Phänomen, dass Dinge, die ich etwa zehn Jahre zurückdatieren würde dann doch schon 1990 passiert sind, häuft sich. Spätestens seit ich mir mal angeschaut habe wie jung die Schauspieler in diversen Filmen „meiner Jugend“ damals im Vergleich zu heute aussahen, wirds schon echt gruselig.
Ein weiteres Anzeichen fürs Älterwerden ist ja übrigens, dass ich Jugendliche beobachte und mir mittlerweile nicht mehr vorstelle, dass ich auch mal so alt war, sondern darüber nachdenke, wie es wohl ist die Mutter von so einem Menschen zu sein! Hach, da freu ich mich ja gar nicht drauf. Fremdschämen nennt man diesen Zustand, der mich da regelmäßig bei der Jugendlichenbeobachtung befällt. Ein Glück, dass ich diese Unsicherheiten, unglückliches Verliebtsein und Pickel hinter mir gelassen habe. (Und dass das alles im Prä-socialnetworkingzeitalter passiert ist.)

ABER zurück zur Frage: Ist älter werden wirklich schlimm?
Diese Frage muss ich im klar verneinen. Denn bisher hat älter werden eigentlich kaum Nachteile gehabt. Vieles von dem, was mich früher beschäftigt hat, viel Zeit, Geduld, Geld, Nerven etc. gebraucht hat, ist heute nicht mehr wichtig. Das hängt vor allem damit zusammen, dass mir meine Erscheinung nach Außen mit zunehmendem Alter und zunehmender Kinderzahl zunehmend unwichtiger wurde.
Haare nicht mehr ganz frisch – ach ja, was solls. Mit 17 hab ich auch 10 Minuten vor der Abfahrt meines Zuges morgens noch die Haare gewaschen.
T-Shirt hat deutliche Spuren des zuletzt mitgewaschenen Taschentuchs – hm kurz abgerubbelt, wird schon wieder runtergehen…
Sich nicht mehr so sehr um sein Äußeres zu kümmern entlastet wirklich ungemein!

Ein Gedanke zu „Ein Hoch auf das Mittelalter!

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