der alte, der junge und der kleine….

….. Stanislaus! rief die Großmutter, Stanislaus! rief die Mutter, Stanislaus! rief Veronika.

Na, wer kennt sie, die drei Stanisläuse? Hach, Helden meiner Kindheit. Bei diesen Büchern konnte ich mich als Erwachsene zwar nicht an die Geschichten erinnern, jedoch an das Gefühl, sie vorgelesen zu bekommen. Ich hatte sie nicht zu hause, sondern nur häufig aus der Bibliothek ausgeliehen. Meine Löffels haben sie zu Hause, denn Opa sagte: „ein kleines Stück österreichischer Literaturgeschichte muss schon sein, da oben in Deutschland“ oder so ähnlich.

Für alle, die sie erst noch kennen lernen müssen:
Vera Ferra-Mikura hat sie in den 1960ern geschrieben. Die Geschichten drehen sich um die Abenteuer dreier Herren: des alten, des jungen und des kleinen Stanislaus. Der alte Stanislaus ist der Großvater, der junge der  Vater und der kleine der Bub. Zusammen mit Großmutter, Mutter und Veronika leben sie in einem netten kleinen Haus. Dort gibt es auch noch die Mäuse im Keller, die vom kleinen Stanislaus und Veronika liebevoll mit Brotkrümeln und Wursthaut versorgt werden. Überhaupt sind Schinkenwurst und Salzgurken wichtige Bestandteile aller sechs Geschichten. Diese sind erstaunlich lang und ebenso wendungsreich, sie in einem Rutsch vorzulesen ist schon eine Herausforderung.
Die Illustrationen sind farbkräftig und lustig, ich bin ja ein Fan von Bildern, die einen eigenen Stil zeigen und sich von anderen abheben.
Was die Geschichten für Kinder interessant macht, ist, dass tatsächlich jedes Mal ausgeschrieben ist, dass es der alte, der junge und der kleine Stanislaus sind, dass beispielsweise dem alten das Gras an den mittleren Hemdknopf heranreicht, dem jungen an den obersten und dass der kleine Stanislaus ganz im hohen Gras verschwindet.
Ich mag daran auch, dass die Geschichten etwas aus der Zeit gefallen sind, die Männer noch Nachthemden tragen und im Haus noch  mit Kohle geheizt und gekocht wird.Man könnte sich über die Geschlechterrollen echauffieren, die auch recht den 1960ern entsprechen, denn die Damen des Hauses haben im Gegensatz zu den drei Stanisläusen keine Zeit für Abenteuer, schließlich muss das Mittagessen gekocht werden und die Wäsche gewaschen. (Sie erleben dann dennoch auch Erstaunliches, das kann schon mal verraten werden.) Sie kümmern sich um ihre Stanisläuse und schaffen ihnen Arbeiten an (Schnittlauch für die Suppe mitbringen, Nägel einschlagen und Schränke rücken, was der alte, der junge und der kleine Stanislaus auch gerne besorgen.  Insgesamt herrscht doch in der Familie ein liebevolles Verhältnis und die Großmutter, die Mutter und Veronika sind mindestens genauso schlau wie ihre Männer.

Es geht nicht ohne ein gewisses Maß an magischen Ereignissen einher, aber den besonderen Zauber der Bücher macht die Sprache aus und die Tatsache, dass fast alles immer dreimal vorkommt – in groß mittel und klein. Und am Ende sind alle rechtzeitig zum Mittagessen zu Hause.

 

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