Archiv für den Monat: Januar 2017

Stehen bleiben!

Hier kommt nämlich keiner durch!

Noch eine Buchvorstellung, diesmal was Modernes: Ein lustiges, kritisches Buch von Isabel Minhós Martins und Bernardo P. Carvalho wurde von einem lieben Freund in meine Wohnung und die Herzen meiner Kinder getragen.

Der Inhalt:
Ein einsamer Soldat bewacht die rechte Buchseite, während sich die linke mit immer mehr Menschen füllt. Ein verlorener Ball führt zu einer Revolte, der General ärgert sich und behauptet am Ende dreist, er hätte ohnehin keine Lust auf Kinderbuch!

Der Spaß:
Filzstiftzeichnungen, bei denen mich das durchaus angenehme Gefühl beschleicht: das hätte ich auch hingekriegt.
Eine Geschichte, die die Kinder zum Nachdenken bringt.
Der Sprung auf die Meta-Ebene, der das Löffelkind richtig zum Nachdenken gebracht hat („Ich finde das gut, dass die wissen, dass sie in einem Buch sind…“)
Lustige Details und das Gefühl: da bringste den Kindern mal was Sinnvolles bei!

der alte, der junge und der kleine….

….. Stanislaus! rief die Großmutter, Stanislaus! rief die Mutter, Stanislaus! rief Veronika.

Na, wer kennt sie, die drei Stanisläuse? Hach, Helden meiner Kindheit. Bei diesen Büchern konnte ich mich als Erwachsene zwar nicht an die Geschichten erinnern, jedoch an das Gefühl, sie vorgelesen zu bekommen. Ich hatte sie nicht zu hause, sondern nur häufig aus der Bibliothek ausgeliehen. Meine Löffels haben sie zu Hause, denn Opa sagte: „ein kleines Stück österreichischer Literaturgeschichte muss schon sein, da oben in Deutschland“ oder so ähnlich.

Für alle, die sie erst noch kennen lernen müssen:
Vera Ferra-Mikura hat sie in den 1960ern geschrieben. Die Geschichten drehen sich um die Abenteuer dreier Herren: des alten, des jungen und des kleinen Stanislaus. Der alte Stanislaus ist der Großvater, der junge der  Vater und der kleine der Bub. Zusammen mit Großmutter, Mutter und Veronika leben sie in einem netten kleinen Haus. Dort gibt es auch noch die Mäuse im Keller, die vom kleinen Stanislaus und Veronika liebevoll mit Brotkrümeln und Wursthaut versorgt werden. Überhaupt sind Schinkenwurst und Salzgurken wichtige Bestandteile aller sechs Geschichten. Diese sind erstaunlich lang und ebenso wendungsreich, sie in einem Rutsch vorzulesen ist schon eine Herausforderung.
Die Illustrationen sind farbkräftig und lustig, ich bin ja ein Fan von Bildern, die einen eigenen Stil zeigen und sich von anderen abheben.
Was die Geschichten für Kinder interessant macht, ist, dass tatsächlich jedes Mal ausgeschrieben ist, dass es der alte, der junge und der kleine Stanislaus sind, dass beispielsweise dem alten das Gras an den mittleren Hemdknopf heranreicht, dem jungen an den obersten und dass der kleine Stanislaus ganz im hohen Gras verschwindet.
Ich mag daran auch, dass die Geschichten etwas aus der Zeit gefallen sind, die Männer noch Nachthemden tragen und im Haus noch  mit Kohle geheizt und gekocht wird.Man könnte sich über die Geschlechterrollen echauffieren, die auch recht den 1960ern entsprechen, denn die Damen des Hauses haben im Gegensatz zu den drei Stanisläusen keine Zeit für Abenteuer, schließlich muss das Mittagessen gekocht werden und die Wäsche gewaschen. (Sie erleben dann dennoch auch Erstaunliches, das kann schon mal verraten werden.) Sie kümmern sich um ihre Stanisläuse und schaffen ihnen Arbeiten an (Schnittlauch für die Suppe mitbringen, Nägel einschlagen und Schränke rücken, was der alte, der junge und der kleine Stanislaus auch gerne besorgen.  Insgesamt herrscht doch in der Familie ein liebevolles Verhältnis und die Großmutter, die Mutter und Veronika sind mindestens genauso schlau wie ihre Männer.

Es geht nicht ohne ein gewisses Maß an magischen Ereignissen einher, aber den besonderen Zauber der Bücher macht die Sprache aus und die Tatsache, dass fast alles immer dreimal vorkommt – in groß mittel und klein. Und am Ende sind alle rechtzeitig zum Mittagessen zu Hause.

 

Neujahrsvorsatz? wunderbare Bücher!

Hallo ihr Lieben.

Es ist Jahresanfang, da nimmt man sich was vor. (Öfter Blogartikel schreiben zum Beispiel, haha.)
Ich nehm mir vor: jede Woche im Januar ein Buch vorstellen, das ich oder meine Kinder lieben.
Denn im Dezember hab ich einer lieben Kollegin Bücher empfehlen dürfen und bin gleich ins Schwärmen geraten.

First things first (das wollte ich immer schon mal einbauen!): Das kleine Ich-bin-Ich von Mira Lobe  (die sich eventuell öfter auf der Liste finden könnte…..)

Ein wunderbar gestaltetes Buch mit tollen Zeichnungen über ein kleines Tier, das nicht so recht weiß, was es ist. Als auch noch ein Laubfrosch angequakt kommt, und behauptet es wäre deshalb dumm, läuft es los und sucht Tiere, die ihm ähnlich sind. Aber es ist kein Pferd, kein Hund, kein Flusspferd, kein Papagei und überhaupt… Erst wird es traurig, dann sauer und dann mutig und beschließt: ICH BIN ICH. Mit neuem Selbstvertrauen geht es nach Hause auf die Wiese und selbst der Blödfrosch äh Laubfrosch kriegt vor Staunen das Maul nicht mehr zu.

Zu dieser tollen Geschichte kommt noch eine Bastelanleitung für ein solches Tier – mindestens siebenmal hab ich das allein und mit Hilfe genäht. Ich liebte dieses Buch! Ich ZERliebte dieses Buch, denn mein Exemplar ist so auseinandergefallen, dass ich es mittlerweile auseinandergenommen und laminiert habe!

Meine österreichischen LeserInnen fragen sich vielleicht, warum es sich lohnt einen solchen Klassiker nochmal anzupreisen: hier in der deutschen Großstadt kennt das Buch, anders als in Mira Lobes Wahlheimat nicht jeder, sondern nur fast jeder und das ist ein Umstand der geändert werden muss!