Archiv für den Monat: August 2015

was ich grade nicht verstehe,

Instagram-bloggerfuerfluchtlinge

damit kann ich auch einBuch füllen…

Wie jemand auf die Idee kommen kann, auf Kinder zu urinieren. Öffentlich.

Warum die Behörden in Berlin so lange verschlafen haben, dass so viele Menschen kommen werden.

Warum jetzt, wo klar ist, dass so viele kommen und bleiben wollen, die Organisation von offizieller Stelle so schleppend anläuft.

Wie es sein kann, dass der ASB seit drei Wochen eine Unterkunft für über 500 Menschen organisiert und dabei auf freiwillige Helfer aus der Bevölkerung angewiesen ist. (Um es ganz klar zu sagen: Alle Helfer dort und auch der ASB machen richtig gute Arbeit. Und das ist das eigentliche Wunder, denn bezahlt wird dafür niemand, was bedeutet, dass das fast alles Freizeit ist, die die Helfer da verbringen.)

Wie es angehen kann, dass es in Europa zahlreiche Unterkünfte und Lager gibt, in denen insgesamt tausende Menschen leben, und deren Zustand um einiges schlechter ist, als das, was ich in Wilmersdorf kennen gelernt habe.

Dass mitten in Europa Menschen in Not ankommen, und ihnen blanker Hass entgegen gebracht wird.

Warum es am Ende dieses Sommers in Berlin am LaGeSo immer noch keine Hilfe von offizieller Stelle gibt, sondern Moabit hilft dort alles im Rahmen hält.

Wie schlimm es sein muss, die Heimat gen Ungewiss zu verlassen.

Wie schrecklich es dort gewesen sein muss, wenn überfüllte Züge, kleine Boote auf dem Meer und die Nächte in berliner Parks zu verbringen die bessere Perspektive waren.

warum ich helfen gehe

Aufregende Zeiten. Traurige Zeiten. Viel zu tun in Deutschland und Europa. Ich habe einen Teil der letzten Woche in einer Notunterkunft für geflüchtete Menschen verbracht. Das hat mir gut getan. Denn schon seit Wochen lese ich in der Zeitung und sehe Fernsehbilder von Menschen, die Hilfe brauchen. Die in meiner Stadt ankommen und dann erstmal obdachlos sind, weil das Amt, das für sie zuständig ist, es nicht schafft, sie zu registrieren und anständig unterzubringen. Weil einfach so viele kommen, aber auch, weil verpasst wurde zu verstehen, dass so viele kommen werden. Und nun sie sind da. Und deshalb muss sich jemand um sie kümmern. Eigentlich muss das der Staat tun. Aber der schaffts nicht. Kann man sich drüber aufregen und das tu ich auch.
Kann man aber auch einfach helfen gehen, wenn man Zeit hat. Und wie es so viele grade tun. Da organisieren Freiwillige ein Wohnheim aus dem Nichts in einem ungeeingneten Gebäude mit Duschen im Zelt auf dem Hof und Feldküche und Kleiderkammer und medizinischer Versorgung und und und. Seit drei Wochen ist diese Unterkunft da, keiner weiß wie lange sie bleiben wird. Und endlich hatte ich letzte Woche auch Zeit zum helfen. Und dann noch eine Aufgabe, der ich gewachsen bin. Ich hätte auch Betten aufgebaut, Kartoffeln geschält oder Klamotten sortiert, aber im Spielzimmer war auch noch Platz und sowas kann ich ganz gut. Also hab ich letzte Woche mit einem syrischen Mädchen gespielt, Ketten gebastelt, aufgeräumt, afghanischen Jungs Uno beigebracht und beim Schach spielen zugeschaut und viel Deutsch geredet und erklärt. Ich hab dabei gelacht und mich geärgert (über Zustände) und ich hab Respekt gehabt. Vor HelferInnen und ihrem Engagement aber auch vor Familien und Müttern und Vätern und einzelnen und Kindern.
Und es hat mir gut getan, das zu sehen und mit den Menschen da zu sprechen. Weil ich etwas grundlegendes verstanden habe. Ich habe gesehen, wie sehr sich diese Menschen darum bemühen unsere Sprache zu lernen. Wie freundlich sie sind und wie sehr sie ihre Kinder lieben.
Und dann steh ich abends in meiner Küche und räume die Spülmaschine ein. Und genau in dem Moment hab ich es kapiert. Genau das ist es, warum sie hergekommen sind. Sie wollen niemandem etwas wegnehmen. Sie wollen nicht mein Fahrrad, oder dein Auto oder sein iPhone oder ihre xbox oder deine Arbeit. Sie wollen ein zu Hause haben, in dem sie für ihre Familie kochen können und Wäsche waschen und die Kinder baden und in dem sie nicht Angst haben müssen, dass die Polizei kommt und jemanden einfach einsperrt, oder eine Granate durchs Fenster fliegt oder sonst was Schlimmes passiert. Sie wollen ihre Kinder zur Schule schicken und eine Ausbildung für sie. Und sie sind bereit dafür etwas zu tun. Die denken nicht, dass sie das alles umsonst kriegen. Die allermeisten wollen hier arbeiten und etwas beitragen. Und wenn wir das zulassen können, wird alles gut ausgehen.
Hingegangen bin ich für mich. Weil es mir nicht ausgereicht hat, diejenigen, die Unterkünfte anzünden und blöde Sprüche klopfen blöd zu finden. Weil ich selber was tun wollte. Weil ich zu den zehntausenden helfenden Händen gehören möchte, die den wenigen Zündlern gegenüberstehen. Weil es leider so viel mehr helfende Hände braucht, als rechten Terror um das alles auszuhalten und dagegen zu halten und zu zeigen, wer hier eigentlich die Mehrheit ist. Weil hier alle willkommen sein sollen!