Archiv für den Monat: Januar 2015

Energieerhaltung und Energieeffizienz in der Erziehung

Energieerhaltung und Energieeffizienz, was hat das nun wieder mit Kindern zu tun? Lasst euch eines sagen: Kinder haben immer was mit Energie zu tun! Sie sind regelrechte Energiestaubsauger! Sie saugen gerne die Energie von Erwachsenen auf. Das lernen alle erwachsenen Menschen, die mit Kindern zu tun haben, rasend schnell. Als ich vor Jahren mein erstes längeres Praktikum in einer Grundschule gemacht habe, war das meine allererste Erkenntnis. Nach ein paar Stunden in der Schule konnte ich einen ganzen Nachmittag verschlafen! Diesen Luxus hat man als Elternteil leider nicht mehr. So ist etwas vom Ersten, das junge Eltern lernen sollten, auf sich zu achten und für genügend Auftankzeiten zu sorgen. Also erster Tipp des Tages: Auf die eigene Energieeffizienz achten. Wie man das macht? Zum Beispiel kann man seine Wohnung so gestalten, dass die Kinder Orte haben, an denen sie sich einfach selbst beschäftigen können. Das Löffelkind hat zum Beispiel einen Bastel- und Malschreibtisch im Wohnzimmer. Das Löffelchen dagegen liebt die Keksformschachtel. Die steht in der Küche und da kann man großartig die Keksformen ausräumen und in der Wohnung verteilen.

Was macht ihr, um Energie im Alltag zu sparen?

Zweiter Tipp des Tages: Jede Situation fordert eine gewisse Menge an Energie. Leider befinden wir uns aber im Umgang mit Kindern in den Geistes- und nicht in den Naturwissenschaften, weshalb sich das alles nicht genau berechnen lässt. Aber vielleicht sollte ich erstmal erklären, was ich damit meine, also ein Beispiel: Immer ein schönes Thema ist im Löffelreich ja die Morgenzeit, also vom Wecken bis zum Kita-gehen. Regelmäßig Streit, Meckerei und schlechte Laune auf allen Seiten. Mittlerweile habe ich akzeptiert, dass das Löffelkind, obwohl es körperlich und geistig in der Lage wäre sich flott und selbständig anzuziehen, das morgens einfach nicht kann. Daher stecke ich die sonst für Meckern und Drohen, ja auch Schreien kam vor, aufgebrachte Energie mittlerweile einfach darin, einen Tick früher aufzustehen und nun dem Löffelkind beim Anziehen zu helfen. Nicht weil wir dann schneller sind, sondern weil wir dann glücklicher sind. Denn Anziehen scheint in diesem Falle auch für Kontakt zu stehen.
Noch ein Beispiel? Bittesehr: Brenzlige Spielsituationen. Wenn Kinder allein oder in Gruppen es gerade nicht schaffen friedlich und alleine zu spielen, kann sich die Erwachsenenwelt überlegen, ob sie die Energie dafür aufwenden möchte, sich darüber zu ärgern und zu maßregeln, oder ob die nötige Energie in Form von Zuwendung, Anleitung und Unterstützung hinzugefügt wird. Alles klar? Schön. Klingt ja doch ein wenig berechenbar, oder? Also ein Auftrag an die Leser: In der nächsten brenzligen Situation die Energie einfach mal in positiver Form in das System einschleusen. Und gerne danach hier als Kommentar berichten.

Könnt ihr nicht mal….

…fünf Minuten alleine spielen?
…kurz leise sein?
…ein bisschen vorsichtiger sein?
…wenigstens einmal hinter euch aufräumen?
…mich kurz in Ruhe lassen?


Nein können wir nicht!

Das wäre die ehrliche Antwort auf fast alle Fragen an Kinder, die im Erwachsenen mit dem Gefühl „Könnt ihr nicht mal…“ beginnen.
„Können wir gerade nicht. Oder wir können es noch nicht. Wir meinen das auch nicht böse, aber es ist für uns gerade einfach nicht möglich.“ Das müssten Kinder ehrlicherweise dann antworten. Können sie aber logischerweise auch nicht.
„Hilf uns bitte dabei!“ wird man auch nicht hören.
Aber es ist wahr. Kinder schaffen es einfach nicht immer zusammen zu spielen oder sich konfliktfrei miteinander zu beschäftigen (um mal das erste Beispiel auszuführen). Manchmal brauchen sie dafür unsere Hilfe, vielleicht eine Spielidee, vielleicht Vermittlung oder noch was ganz anderes.

Es gibt auch genügend Situationen, in denen wir Erwachsenen uns von den Kindern vielleicht ein „reiferes“ Verhalten wünschen, zu dem sie in diesem Moment einfach nicht fähig sind. Dann brauchen sie unsere Hilfe, nicht unser Gemecker.

Ein Beispiel: Es ist der 24. Dezember. Alle sind aufgeregt. Löffelkind und der Cousin versuchen miteinander zu spielen, aber es klappt einfach nicht, weil beide deutlich unterschiedliche Ideen verfolgen, einer will mit der Feuerwehr die Straße absperren, die andere will genau da mit dem Auto langfahren. Gemecker, Gemecker, Gemecker. Den Erwachsenen ist es zu laut, die Kinder sind genervt, sie wollen eigentlich, schaffen es aber heute beide nicht einzulenken.
Version A: Ich denke: „Oh mann könnt ihr nicht mal…“ meckere auch noch, warum nicht einer da lang fahren kann oder durchlassen oder sonst was, irgendwann reichts und ich trenne die Kinder. Zumindest sind wir am Ende alle ungefähr gleich genervt.
Version B: Ich denke: „Oje, die schaffens grad nicht“ setze mich eine Weile dazu und helfe ihnen in ein gemeinsames Spiel: irgendwo brennt es, das andere Auto muss auch dahin, weil es das Reporterauto ist…
Klappt auch nicht immer, aber immerhin meckert eine weniger :ö)

Noch ein Beispiel: Es gibt Kinder, die können sich einfach nur schwer in einer wuseligen Gruppe konzentrieren. Von denen dann zu verlangen sich mir 10 anderen Kindern in der Kita-Garderobe selbstständig und schnell umzuziehen ist fast schon gemein. Sie werden es nicht schaffen. Denn hier sieht einer witzig aus beim Mützeaufsetzen, da muss geschnattert werden und dort… am Ende sind alle angezogen und Löffelkind hat noch nichtmal die Schuhe angefasst…

Wann hast du einen Satz im Kopf der mit den Worten „Kannst du nicht mal…“ beginnt?

Aufmerksamkeit? – Kontakt!

Seit ich mich ein bisschen mit Gewaltfreier Kommunikation beschäftigt habe, versuche ich darüber nachzudenken, was Menschen in meiner Umgebung BRAUCHEN, anstatt damit, was sie WOLLEN. Besonders, wenn ich mit Kindern zu tun habe, hilft mir diese Sichtweise, besser zu verstehen, was gerade los ist.

Nachdem ich gerade in der (für Erwachsene wie Kinder) stressigen Vorweihnachtszeit erstaunlich viele aufgedrehte, anstrengende und angestrengte Kinder beobachtet habe, hatte ich noch eine Erkenntnis: Ich muss nicht nur das Wort „brauchen“ anstatt „wollen“ benutzen, es gibt noch ein wichtiges Wort, das im Zusammenhang mit Kindern ersetzt werden sollte: Aufmerksamkeit. Das ist ja mittlerweile ein negativ besetztes Wort. Entweder fehlt den Kindern angeblich die Fähigkeit zur (längeren) Aufmerksamkeit, oder sie wollen zu viel davon. Besonders dieses „Aufmerksamkeit wollen“ ist mir mittlerweile ein Dorn im Auge. Wie oft wird dieser Satz über ein Kind gesagt: „Der/die will ja nur Aufmerksamkeit!“ Wie oft wurde dieser Satz über jedes einzelne Kind schon gesagt? Wenn ich diesen Satz lese, kann ich schon genau den genervten Ton dazu hören. Übersetze ich diesen Satz mal mit dem dazugehörigen Gefühl, würde ich sagen: „Was will dieses Kind denn jetzt schon wieder von mir?“ oder noch genauer „Was fällt diesem Kind ein, mich jetzt in meiner Tätigkeit zu stören?“
Nun will ich aber mal den längeren Weg gehen und überlege, warum mich das Kind jetzt ruft „Mama guck mal! Schau was ich kann! Du sollst mit mir spielen!“ oder in welcher Situation ein Kind sich so benimmt, dass Erwachsene sagen, dass das Kind Aufmerksamkeit will.
Was also braucht das Kind gerade? Was ist mit dem Wort „Aufmerksamkeit“ überhaupt gemeint? Welches Bedürfnis steckt dahinter? Ich denke, Kinder wollen gesehen werden, Kinder brauchen Kontakt, Verbindung und Beziehung. Warum ist es dem Kind denn überhaupt wichtig, dass ICH sehe, dass es schaukeln kann? Es braucht von MIR eine Reaktion, es will mit mir in Verbindung treten.
Mein großes Löffelkind braucht zum Beispiel scheinbar gerade in den Abendstunden nochmal Kontakt zu seinen Eltern. Dann wird das Anziehen hinausgezögert, nochmal was zu Trinken verlangt, unendlich lange überlegt, welche Kassette man zum Einschlafen hören könnte etc. Manchmal frage ich mich (und gelegentlich auch direkt das Löffelkind), ob es mich damit ärgern will. Wozu jetzt noch dieses Aufmerksamkeit-heischen? Übersetze ich „Aufmerksamkeit wollen“ aber mit „Verbindung brauchen“ wundere ich mich nicht mehr, und muss mich auch nicht mehr fragen, was gerade los ist. Es wird plötzlich klar, dass mich niemand ärgern will, mein Löffelkind braucht nochmal Kontakt! Das hat mit ärgern wollen ungefähr soviel zu tun wie Bananenmilch mit Fahrradreifen! Mit diesem Gedanken kann ich den gewünschten Kontakt dann auch einfacher zulassen. Nicht immer, aber oft und das ist für uns beide gut.