Archiv für den Monat: September 2014

seine Nächte machen

Was es mir bei den Franzosen besonders angetan hat, ist das  Modell des Schlafens. Ganz eindeutig etwas, das ich gern früher gewusst hätte. So etwa sechs Jahre wären da gut gewesen.

Französische Babys schlafen fast ausnahmslos sehr früh durch. Und zwar tatsächlich. Man nennt das „elle fait sa nuit“ was soviel heißt wie er oder sie macht ihre Nächte. Und das liegt am dritten Erziehungsprinzip: la pause. Die Kinder etwas warten lassen. Französische Eltern lassen ihre Kinder oft ein bisschen warten, bis die Bedürfnisse erfüllt werden. Dadurch lernen die Kinder Geduld. Nachts wird zum Beispiel etwas gewartet, ob das Kind wirklich wach wird, oder von selbst wieder einschläft. Und dadurch sollen die Kinder lernen, ihre Schlafphasen zu verbinden. Besonders gut soll das bis zum vierten Lebensmonat funktionieren.
Schön finde ich dabei, dass es nicht darum geht ein Schlafprogramm durchzuzuiehen, sondern genau hinzusehen, ob das Kind wirklich einen Erwachsenen braucht, oder alleine klarkommt. Weint das Kind oder schreit es gar, wird es durchaus hochgenommen und beruhigt. Aber vielleicht schläft es ja alleine weiter, dann hätte man es mit hochnehmen/stillen/etc. erst recht wach gemacht.

Schade hingegen finde ich wieder, dass das Familienbett in Frankreich wohl ein Kuriosum ist, denn ich schlafe gern mit dem Löffelchen im selben Bett, und gelegentlich auch mit dem Löffelkind, aber das braucht so viel Platz. In Frankreich wird man dagegen aber wohl komisch angeguckt, wenn man mit einem 6 Wochen alten Säugling ein ein-Zimmer-Appartment mieten will…

Für uns haben diese Schlaferkenntnisse, obwohl sie zu spät kamen (und für unseren Schlafmarathon mit dem Löffelkind, das mit über 2 erst durchschlief erst recht), doch einiges zum Guten gewendet. Löffelchen schläft jetzt erst mal im eigenen Bettchen ein, während ich noch im Zimmer bin, denn ich hatte keine Lust mehr anderthalb Stunden im Dunklen neben dem singenden lachenden Löffelchen zu liegen, bis es endlich einschlafen kann. Dadurch, dass ich wenn sie mal nachts kräht aber warte, ob sie nicht doch allein wieder einschläft, schläft sie tatsächlich oft bis ca 6 oder halb 7 Uhr. Diese Nächte sind gut, denn dann kann ich mal durchschlafen. Beruhigt sie sich aber nicht selbst, hole ich sie zu mir zum Stillen. Diese Nächte sind auch gut, denn dann kann ich kuscheln.
In der Rückschau, was denn das Löffelkind dann endgültig zum Durchschlafen gebracht hat ist mir auch eingefallen, dass es meine Faulheit war. Ich hatte sie nachts noch krähen gehört, dachte aber: ich warte mal bis der Löffelmann aufsteht. Der hat das Krähen nicht gehört und so schliefen wir irgendwann selig alle durch.. Das hätten wir wohl schon früher haben können.

Französisch lernen

Neulich hat mir eine Freundin ein Buch ausgeliehen. „Warum französische Kinder keine Nervensägen sind“ von Pamela Druckerman. Was soll ich sagen? Ich bin begeistert! ich erzähle ALLEN, mit denen ich über Kinder spreche von diesem Buch, obwohl ich es noch nicht einmal ausgelesen habe. Ich bin sogar der Meinung, es sollte Pflichtlektüre für alle frischen Mamas sein. Zumindest die Teile, die ich schon gelesen habe.
Kurz zum Inhalt: Frau Druckerman ist Schriftstellerin und Amerikanerin, sie lebt in Paris. Und dort hat sie festgestellt: Französische Kinder werfen nicht mit essen (englischer Originaltitel), sie sitzen brav (oder „sage“) durch 4 Gänge. Sie schlafen mit 2-4 Monaten durch und wenn französische Eltern mit Kindern zu Besuch sind, können sich die Eltern in Ruhe unterhalten, während die Kinder im Zimmer verschwunden sind.
Weil sie das alles ziemlich verblüfft, begibt sie sich auf die Suche nach den französischen Erziehungsprinzipien und -zielen. Die Leserin des Buches begleitet sie auf dieser Reise, und das ist (zumindest für mich, die gern vergleichende Studien zur Kindererziehung betreibt) ganz schön spannend.

Vieles am französischen Umgang mit dem Kinderkriegen gefällt mir überhaupt nicht. Ich würde beispielsweise ungern gezwungen sein, in einer durchschnittlichen französischen Klinik ein Kind zur Welt zu bringen. Ich habe da unlängst Bilder von Kreißsäalen gesehen, da war ich an eine Besenkammer mit Gyn-Stuhl erinnert. brrr. Ich finde es schade, dass so wenige Französinnen stillen, oder das nur sehr kurz machen. Aber ich denke nach der Lektüre eines Drittels des Buches: Manches machen die schon richtig.
Grundprinzip scheint zu sein: Kinder haben ist schön, aber es ist nicht alles! Nicht das ganze Leben der Mütter und Väter muss sich um die Kinderaufzucht drehen. Das klingt doch vernünftig, oder? Auch wenn es trotzdem schön ist, zumindest in den Anfängen ganz intensiv Eltern zu sein, sollte man sich das manchmal in Erinnerung rufen.
Zweites Grundprinzip: Es gibt einen Rahmen, genannt „cadre“, an den haben sich die Kinder zu halten, ansonsten genießen sie viel Freiheit. Freiheit vor allem auch in dem Sinne, dass sie nicht „durchgefördert“ werden. Druckerman beschreibt da ganz witzig, dass sie schockiert war, dass die Babys im Schwimmkurs bloß rumplantschen, um sich ans Wasser zu gewöhnen und gar nicht schwimmen lernen.

Und morgen gibts mehr!